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Fachtagung Globales Lernen 2015. Potenziale und Perspektiven

Ein Thema – zwei Tagungsorte: Die Fachtagung Globales Lernen - Potenziale & Perspektiven 2015 fand am 9. November an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Graz und am 10. November im Albert Schweitzer Haus in Wien statt. Rund 270 LehrerInnen, Studierende Lehrende von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten sowie MultiplikatorInnen aus verschiedenen Bildungsbereichen interessierten sich für das Schwerpunktthema „Demokratie global denken“. Mit ihren Vorträgen führten Wolfram Schaffar vom Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien und Inhaber der ADA-Stiftungsprofessur sowie Constanze Berndt von der Universität Rostock an beiden Orten in die Thematik ein. Im Anschluss an die Vorträge gab es Gesprächskreise mit den beiden Vortragenden sowie weiteren lokalen ReferentInnen.

 

„Wie viel Demokratie verträgt die Welt?“

– der leicht provozierende Titel der Fachtagung wurde von Wolfram Schaffar im Laufe seines Vortrags umgedreht zur Frage „Wie wenig Demokratie können wir uns leisten?“ Finanz- und Schuldenkrise, Klimawandel, Flucht und Vertreibung – am Beispiel dieser Themen erläuterte Schaffar die Dimension und vernetzte Dynamik globaler Herausforderungen. In Bezug auf politische Strategien zur Problemlösung ortet Schaffar zunehmend Tendenzen zu autoritären Maßnahmen - gerade auch in Krisenzeiten. Am Beispiel des „Arabischen Frühlings“ und anderer jüngerer Demokratisierungsbewegungen zeigte Schaffar die Probleme von transnationaler Demokratie auf. Diese neuen Demokratiebewegungen seien mit einer Re-Nationalisierung verbunden, ihnen fehle laut Schaffar das Bemühen um transnationale Vernetzung. Er verwies auch auf bereits existierende transnationale Strategien, die jedoch aus seiner Sicht noch keine tatsächliche Demokratisierung brächten, wie Konzepte von Global Governance, ein auf Rechtssprechung basierender Aktivismus oder die Strategie, über Konsumverhalten Änderungen in Wirtschaftsbeziehungen zu erreichen. „Demokratie ist kein Luxus, den wir uns in Zeiten der Prosperität und Stabilität leisten“ plädierte Schaffar für Demokratie als eine Lösungsstrategiegerade in schweren Krisen. Demokratisierung müsse an den Krisen ansetzen, sie brauche eine qualitative Vertiefung von Mitbestimmung und transnationale Formen für Partizipation.

 

Demokratie als universale Idee

Welche Aufgabe dabei auch Bildung zukommen kann thematisierte Constanze Berndt in ihrem Vortrag. Die Idee von Demokratie verortete sie gleich zu Beginn in einer universalen Idee von Menschlichkeit und der Anerkennung der Menschenwürde. Demokratiepädagogik müsste für Berndt a priori transnational bzw. global orientiert sein, das Bildungskonzept Globales Lernen habe dagegen auch einen demokratiepädagogischen Auftrag. Sie zog dabei Verbindungen zu wichtigen bildungstheoretischen Vordenkern wie John Dewey und Wolfgang Klafki und stellte ebenso einen Bezug zum „Capability-Ansatz“ des indischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Amartya Sen her. Am Beispiel des friedenspädagogischen Projekts „Peace Counts“ erläuterte Berndt, dass Demokratiepädagogik – wie Friedenspädagogik und Globales Lernen – eine konsequente Wendung der Bildungsinhalte zum Globalen hin braucht sowie eine Didaktik, die die Verflechtungen globaler und lokaler Phänomene sichtbar macht.

Beide Vorträge machten die Universalität von Demokratie sehr deutlich und verwiesen auf den transnationalen Charakter von Demokratie. Im Kontext von Globalem Lernen und einer Bildung für die Weltgesellschaft geht es auch darum, Demokratieentwicklung und Demokratisierungsbewegungen, aber auch antidemokratische Tendenzen über den nationalstaatlichen Kontext hinaus wahrnehmen und analysieren zu können.

 

Demokratie global denken - ein Thema für die Bildung?

Die Herausforderung des Tagungsthemas bestand vor allem darin, die notwendige Auseinandersetzung mit globalen Trends von Demokratieentwicklung und Gefährdungen für die Demokratie in Zeiten der Vielfachkrise auch als Thema für Bildung und Schul- und Unterrichtsentwicklung aufzuzeigen. Dieser Aspekt konnte in den Gesprächskreisen noch vertieft werden, dort entstanden lebendige und engagierte Diskussionen. Ein Highlight waren die Gespräche mit Alexandra Schneider, Regisseurin von „Private Revolutions – jung, weiblich, ägyptisch“ (Graz) und Arash T. Riahi, Regisseur von „Everyday Rebellion“ (Wien). Während „Private Revolutions“ den Kampf um Veränderung und den Widerstand gegen herrschende Gesellschaftstrukturen am Beispiel von vier jungen Ägypterinnen zeigt, beleuchtet „Everyday Rebellion“ kreative, gewaltfreie Formen zivilen Ungehorsams und für stärkere Partizipation in verschiedenen Ländern. Praxisorientierte Beispiele für Global Citizenship Education zeigten die Menschenrechtsexpertin Barbara Schmiedl in Graz und die Volksschullehrerin Verena Rieser in Wien. Engagement in der Flüchtlingsbetreuung und in der Antidiskriminierungs-Arbeit thematisierte der Gesprächskreis „Demokratie gelebt“ in Graz.

 

Ein vielfältiges Programm

Abgeschlossen wurde das vielfältige Programm in Graz mit einer Vernissage der Künstlerin Andrea Bustos unter dem Titel „Encuentros-Begegnungen“ und in Wien mit einem kurzen Panel zu „Demokratie global denken – Perspektiven“ mit den Vortragenden Wolfram Schaffar, Constanze Berndt und dem Regisseur Arash T. Riahi.

Die Fachtagung Globales Lernen stand diesmal auch im Kontext des Europäischen Jahrs für Entwicklung, das von der Europäischen Kommission für 2015 ausgerufen wurde. Diese Initiative dient der Information über aktuelle Herausforderungen europäischer Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit. Neben den „klassischen“ Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit greift diese Initiative auch zentrale Themen wie Bildung, Menschenrechte und Demokratie auf. Die Fachtagung sowie Globales Lernen als Bildungskonzept teilen das Leitmotiv des Europäischen Jahrs „Unsere Welt. Unsere Würde. Unsere Zukunft“.