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  • Bundesfachtagung Globales Lernen - Potenziale & Perspektiven 2020

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Bundesfachtagung in Wien am 18.+19.10.2019

Am 18. und 19. Oktober 2019 veranstaltete die Strategiegruppe Globales Lernen, in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Wien, dem BMBWF und der ADA zum 7. Mal die Bundesfachtagung Globales Lernen – Potenziale & Perspektiven.

Die ethischen Dimensionen der 17 Nachhaltigkeitsziele und der Zusammenhang von Engagement und Lernerfahrungen standen dieses Jahr im Fokus des Tagungsprogramms. Viele (junge) Menschen sind sich der globalen Herausforderungen bewusst und suchen nach Wegen für konkrete Beteiligung und Engagement. Globales Lernen hat die Aufgabe, jene Kompetenzen zu stärken, die für demokratisches Handeln und politische Partizipation – auch in globalen Fragen – notwendig sind.

Wie und wodurch können Menschen motiviert werden, um sich für die Erreichung der SDGs einzusetzen? Welche Beispiele gibt es für eine Pädagogik, die die ethischen Aspekte globaler Dilemmata thematisiert und wo liegen dabei die Herausforderungen und besonderen Möglichkeiten? Karen Pashby, Ph.D., von der Manchester Metropolitan University (School of Childhood, Youth and Education Studies und Education&Social Research Institute) griff diese Fragen in ihrem inspirierenden Vortrag auf. Pashby gab einen Überblick über neue konzeptionelle Entwicklungen in Global Citizenship Education und zeigte anhand ihrer Forschung im Bereich Global Citizenship Education (GCED), welche Herangehensweisen LehrerInnen in England, Finnland und Schweden entwickelt haben. Dabei betonte sie die Wichtigkeit gut ausgebildeter Lehrkräfte, die über Kompetenzen für den Unterricht zu globalen Herausforderungen verfügen müssen.

Dr.in Heidi Grobbauer (Strategiegruppe Globales Lernen/KommEnt) näherte sich in einem Kurzvortrag den Dilemmata, die mit dem Anspruch an globale Gerechtigkeit und gemeinsame Verantwortung verbunden sind. Sie skizzierte die Spannungsfelder, in denen sich Global Citizenship Education inhaltlich bewegt, sowie die Spannungsfelder individueller und kollektiver Verantwortung. Die Übernahme gemeinsamer Verantwortung auch in Bezug auf globale Herausforderungen scheint oft überfordernd. Ein genauerer Blick auf die Frage, wofür können wir in unseren jeweiligen Funktionen Verantwortung übernehmen, kann zu Klärung und Entlastung beitragen.

Abgerundet wurde der erste Veranstaltungstag durch eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Soziales Engagement als Lernprogramm?“. Die vier TeilnehmerInnen, Mag.a Stephanie Deimel, M.A. (boja), Mag.a Elisabeth Hueber-Mascherbauer (Private Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz), Jeannine Zimmermann (Teilnehmerin des Projekts Service Learning der PH Wien) und Pedram Dersch, BSc (Fridays For Future), sind entweder selbst in einem Projekt bzw. in einer Organisation eingebunden, das/die Lernen und Engagement verbindet und/oder befassen sich wissenschaftlich mit der Thematik. Die Moderation übernahm Dr.in Irmgard Kirchner, ehemalige Chefredakteurin des Südwind-Magazins.

Den Gedanken „Lernen-Engagement-Verantwortung“ nahm Dr.in Claudia Fahrenwald, von der PH Oberösterreich, am zweiten Tag der Veranstaltung in ihrer Key Note auf.

Claudia Fahrenwald beschäftigt sich in Forschung und Praxis mit Lernen durch Engagement. Ausgehend von bildungswissenschaftlichen Grundlagen (Politische Bildung, Demokratiepädagogik, (Global) Citizenship Education) gab sie einen Einblick in den Bildungsansatz „Lernen durch Engagement (Service Learning)“ und die grundlegenden Qualitätskriterien. Die Übernahme sozialer Verantwortung und die systematische Reflexion damit verbundener Lernerfahrungen findet zunehmend auch in Schulentwicklungsprogrammen und Ausbildungsprogrammen für Studierende Beachtung. Sensibilisierung für Verantwortung im nahen Umfeld und das Bewusstsein für Verantwortungsdimensionen in globalen Fragen hängen eng zusammen.

Die Einblicke von Fr. Dr.in Fahrenwald in Qualitätskriterien von Service Learning und den Bezug zu Schulentwicklung konnten in einem anschließenden Workshop noch vertieft werden. Neben diesem gab es vier weitere Arbeitsgruppen: Welche Möglichkeiten haben LehrerInnen, um GCED in den Ethik Unterricht einzubauen? (Michael Jenner/Edward Szarzynski, GRG Anton Baumgartner Straße, Wien) Olivia Tischler, von Südwind Wien stellte im Workshop „Weltklasse unterrichten“ Unterrichtsmaterialien vor, die es ermöglichen, im Fachunterricht Fragen globaler Gerechtigkeit einzubauen. Des Weiteren gab es ein Workshop zur Förderung von Kindern im Volksschulalter als aktive Mitglieder unserer Gesellschaft, die ein Bewusstsein für demokratische Prozesse entwickeln und Verantwortung in ihrem Wirkungsradius übernehmen (Carolina Pricher, Baobab) und das Angebot, zusammen mit Heidi Grobbauer, den Gedanken der globalen Verantwortung als (Welt-)Bürgerpflicht oder Überforderung aus dem Kurzvortrag vom Freitagabend aufzunehmen und zu diskutieren.

Umrahmt wurde die Veranstaltung von einer Ausstellung, die Projekte zu Engagement und Solidarität in einer globalisierten Gesellschaft präsentierte. Sie wurde von den Organisatorinnen der Pre-Conference zu Service Learning arrangiert, die von Studierenden der PH Wien für Studierende, am Freitagvormittag, veranstaltet wurde.

 

 

Fachtagung Globales Lernen 2015. Potenziale und Perspektiven

Ein Thema – zwei Tagungsorte: Die Fachtagung Globales Lernen - Potenziale & Perspektiven 2015 fand am 9. November an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Graz und am 10. November im Albert Schweitzer Haus in Wien statt. Rund 270 LehrerInnen, Studierende Lehrende von Pädagogischen Hochschulen und Universitäten sowie MultiplikatorInnen aus verschiedenen Bildungsbereichen interessierten sich für das Schwerpunktthema „Demokratie global denken“. Mit ihren Vorträgen führten Wolfram Schaffar vom Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien und Inhaber der ADA-Stiftungsprofessur sowie Constanze Berndt von der Universität Rostock an beiden Orten in die Thematik ein. Im Anschluss an die Vorträge gab es Gesprächskreise mit den beiden Vortragenden sowie weiteren lokalen ReferentInnen.

 

„Wie viel Demokratie verträgt die Welt?“

– der leicht provozierende Titel der Fachtagung wurde von Wolfram Schaffar im Laufe seines Vortrags umgedreht zur Frage „Wie wenig Demokratie können wir uns leisten?“ Finanz- und Schuldenkrise, Klimawandel, Flucht und Vertreibung – am Beispiel dieser Themen erläuterte Schaffar die Dimension und vernetzte Dynamik globaler Herausforderungen. In Bezug auf politische Strategien zur Problemlösung ortet Schaffar zunehmend Tendenzen zu autoritären Maßnahmen - gerade auch in Krisenzeiten. Am Beispiel des „Arabischen Frühlings“ und anderer jüngerer Demokratisierungsbewegungen zeigte Schaffar die Probleme von transnationaler Demokratie auf. Diese neuen Demokratiebewegungen seien mit einer Re-Nationalisierung verbunden, ihnen fehle laut Schaffar das Bemühen um transnationale Vernetzung. Er verwies auch auf bereits existierende transnationale Strategien, die jedoch aus seiner Sicht noch keine tatsächliche Demokratisierung brächten, wie Konzepte von Global Governance, ein auf Rechtssprechung basierender Aktivismus oder die Strategie, über Konsumverhalten Änderungen in Wirtschaftsbeziehungen zu erreichen. „Demokratie ist kein Luxus, den wir uns in Zeiten der Prosperität und Stabilität leisten“ plädierte Schaffar für Demokratie als eine Lösungsstrategiegerade in schweren Krisen. Demokratisierung müsse an den Krisen ansetzen, sie brauche eine qualitative Vertiefung von Mitbestimmung und transnationale Formen für Partizipation.

 

Demokratie als universale Idee

Welche Aufgabe dabei auch Bildung zukommen kann thematisierte Constanze Berndt in ihrem Vortrag. Die Idee von Demokratie verortete sie gleich zu Beginn in einer universalen Idee von Menschlichkeit und der Anerkennung der Menschenwürde. Demokratiepädagogik müsste für Berndt a priori transnational bzw. global orientiert sein, das Bildungskonzept Globales Lernen habe dagegen auch einen demokratiepädagogischen Auftrag. Sie zog dabei Verbindungen zu wichtigen bildungstheoretischen Vordenkern wie John Dewey und Wolfgang Klafki und stellte ebenso einen Bezug zum „Capability-Ansatz“ des indischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Amartya Sen her. Am Beispiel des friedenspädagogischen Projekts „Peace Counts“ erläuterte Berndt, dass Demokratiepädagogik – wie Friedenspädagogik und Globales Lernen – eine konsequente Wendung der Bildungsinhalte zum Globalen hin braucht sowie eine Didaktik, die die Verflechtungen globaler und lokaler Phänomene sichtbar macht.

Beide Vorträge machten die Universalität von Demokratie sehr deutlich und verwiesen auf den transnationalen Charakter von Demokratie. Im Kontext von Globalem Lernen und einer Bildung für die Weltgesellschaft geht es auch darum, Demokratieentwicklung und Demokratisierungsbewegungen, aber auch antidemokratische Tendenzen über den nationalstaatlichen Kontext hinaus wahrnehmen und analysieren zu können.

 

Demokratie global denken - ein Thema für die Bildung?

Die Herausforderung des Tagungsthemas bestand vor allem darin, die notwendige Auseinandersetzung mit globalen Trends von Demokratieentwicklung und Gefährdungen für die Demokratie in Zeiten der Vielfachkrise auch als Thema für Bildung und Schul- und Unterrichtsentwicklung aufzuzeigen. Dieser Aspekt konnte in den Gesprächskreisen noch vertieft werden, dort entstanden lebendige und engagierte Diskussionen. Ein Highlight waren die Gespräche mit Alexandra Schneider, Regisseurin von „Private Revolutions – jung, weiblich, ägyptisch“ (Graz) und Arash T. Riahi, Regisseur von „Everyday Rebellion“ (Wien). Während „Private Revolutions“ den Kampf um Veränderung und den Widerstand gegen herrschende Gesellschaftstrukturen am Beispiel von vier jungen Ägypterinnen zeigt, beleuchtet „Everyday Rebellion“ kreative, gewaltfreie Formen zivilen Ungehorsams und für stärkere Partizipation in verschiedenen Ländern. Praxisorientierte Beispiele für Global Citizenship Education zeigten die Menschenrechtsexpertin Barbara Schmiedl in Graz und die Volksschullehrerin Verena Rieser in Wien. Engagement in der Flüchtlingsbetreuung und in der Antidiskriminierungs-Arbeit thematisierte der Gesprächskreis „Demokratie gelebt“ in Graz.

 

Ein vielfältiges Programm

Abgeschlossen wurde das vielfältige Programm in Graz mit einer Vernissage der Künstlerin Andrea Bustos unter dem Titel „Encuentros-Begegnungen“ und in Wien mit einem kurzen Panel zu „Demokratie global denken – Perspektiven“ mit den Vortragenden Wolfram Schaffar, Constanze Berndt und dem Regisseur Arash T. Riahi.

Die Fachtagung Globales Lernen stand diesmal auch im Kontext des Europäischen Jahrs für Entwicklung, das von der Europäischen Kommission für 2015 ausgerufen wurde. Diese Initiative dient der Information über aktuelle Herausforderungen europäischer Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit. Neben den „klassischen“ Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit greift diese Initiative auch zentrale Themen wie Bildung, Menschenrechte und Demokratie auf. Die Fachtagung sowie Globales Lernen als Bildungskonzept teilen das Leitmotiv des Europäischen Jahrs „Unsere Welt. Unsere Würde. Unsere Zukunft“.

 

 

 

Internationales GENE Symposium zu Globalem Lernen

Von 15. bis 17. November 2012 fand das Den Haager internationale Symposium zu Globalem Lernen statt. Es stand unter dem Titel „Enhancing Quality, Improving Coherence, Increasing Cohesion“ (Qualität fördern, Kohärenz verbessern, Kohäsion vergrößern). Durchgeführt wurde das Symposium von GENE (Global Education Network Europe), Gastgeber war NCDO (niederländisches Zentrum für Global Citizenship), unterstützt wurde die Tagung von der Europäischen Kommission.

Rund 60 VertreterInnen aus öffentlichen Stellen bzw. von Organisationen, die jeweils in ihren Ländern für die Förderung, Koordination und Qualitätsentwicklung von Globalem Lernen verantwortlich sind, diskutierten in der holländischen Hauptstadt engagiert, wie durch verbesserte Strategien und Strukturen dem Ansinnen des Symposiums Rechnung getragen werden kann.

Die Tagung stand auch im Zeichen des Maastrichter Kongresses, der zehn Jahre zuvor (2002) mit der Maastrichter Erklärung einen Meilenstein in der europäischen Entwicklung Globalen Lernens gesetzt hatte. In Den Haag wurden Schlussfolgerungen gezogen (The Hague Conclusions on Global Education to 2020), welche Herausforderungen nunmehr in den kommenden Jahren auf europäischer wie nationaler Ebene zu meistern sind.